(06_11_br) Videos aus dem Leipziger Neuseenland können eine lustige Sache sein. Zum Beispiel, wenn man die Landschaft kennt, und das damit vergleicht, was in manchen darüber erzählt wird. Jüngstes Beispiel: ein Video-Porträt vom Markkleeberger See. Auftraggeber war der Seenverwalter EGW. Sie ist eine Tochterfirma der Stadt.
Nicht alles, was man zu sehen glaubt, ist in diesem Falle aber wirklich der Markkleeberger See. Quasi gratis ein kleines Online-Spiel dazu: „Finden Sie Lippendorf!“ Ein Tipp aus der russischen Propagandafilmschule: am Rand und hinter Büschen suchen.
Weniger lustig, dafür mit vielen Fragezeichen, ein anderer Streifen, der seit Anfang Oktober bei YouTube zu sehen ist. Als „Kinospot Neuseenland“ wurde er deklariert. Der Absender allerdings war lange unbekannt.
Nur im Abspann wird deutlich, dass dieses Video keine Privatsache ist, sondern der Tourismusverein Leipziger Neuseenland e.V. mit am Werk gewesen sein muss. Bei der Klärung der Hintergründe trafen wir auf die Sprecherin des Vereines, Sandra Brandt.
"Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten": Sandra Brandt und dasYouTube-Video. Fotos: privat
Frau Brandt, warum der Spot bei YouTube – warum wurde die Kommentarfunktion deaktiviert? Brandt: Der YouTube Kanal wurde lediglich technisch dafür genutzt, um den Spot ohne großen Programmieraufwand auf dem Internetportal leipzigerneuseenland.de zeigen zu können, wo auch eine Möglichkeit zur Abgabe von Kommentaren besteht.
Wer war Auftraggeber? Brandt: Der Kinospot ist im Auftrag des TV Sächsisches Burgen- und Heideland im Rahmen des Marketingplanes 2009 für das Leipziger Neuseenland erstellt worden. Die inhaltliche Betreuung lag beim TV Leipziger Neuseenland und beim Grünen Ring Leipzig.
Warum wurde auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet? Brandt: Selbstverständlich wurde die Leistung ausgeschrieben (beschränkte Ausschreibung), insgesamt lagen 4 Angebote vor. Als Vereine sind wir an eine wirtschaftliche Arbeitsweise gehalten, die wir jedes Jahr den Mitgliedern transparent darstellen müssen und die durch die Kassenprüfer und Fördermittelstellen streng kontrolliert wird. Der Auftrag wurde als Leistungspaket zusammen mit der Erstellung eines Filmportraits zum Wassertourismus im Leipziger Neuseenland an die picturesound studios vergeben.
Was soll dieser Spot dem Betrachter eigentlich sagen? Brandt: Die Botschaft des Kinospots liegt in der Positionierung des Leipziger Neuseenlandes als Wassersport-Kultur-Destination mit einem abwechslungsreichen Angebot. Kinowerbung ist die beliebteste Werbeform der 14- bis 29-Jährigen, der Spot wurde deshalb auf die Bewusstmachung des touristischen Angebotes auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Über Geschmack und Gestaltung lässt sich bekanntlich trefflich streiten, was auch ein klassischer Werbeansatz ist, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ansonsten wäre fliegendes Toilettenpapier in der Fernsehwerbung auch nicht zu erklären. Uns liegen zahlreiche positive Rückmeldungen zum Spot vor. Und selbst wenn dazu ebenso viele mit einer anderen Meinung kommen, hätte man werbetechnisch viel erreicht, da der wichtigste Effekt eben ist, dass überhaupt darüber gesprochen wird.
Wo wird dieser Spot eingesetzt? Brandt: Der Kinospot lief im August in jeweils 3 (nicht zufällig) ausgewählten Kinos in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. Durch die Auswertung der Internetzugriffe und der Anfragen an die Tourist-Infos können wir bereits jetzt sagen, dass die Marketingaktionen 2009 ein Erfolg waren. Das Leipziger Neuseenland konnte auch in diesem Jahr wieder steigende Besucherzahlen verzeichnen.
(10_10_br) Am 2. November beginnen in Großpösna die Bauarbeiten für die schwimmende Kirche Vineta. Damit wird der Endspurt für das lange geplante Gebäude eingeleitet. Die Fertigstellung ist für den Sommer 2010 vorgesehen.
Das Projekt Vineta soll zukünftig als Nachbildung der ehemaligen Magdeborner Kirchturmspitze an die durch den Tagebau verlorenen Siedlungen, Orte und Gemeinden erinnern. Allein im von 1937 bis 1996 sind dabei neben Magdeborn weiter 13 Ortschaften weggebaggert worden. Insgesamt haben dabei im mitteldeutschen Revier runde 24000 Menschen ihre Heimat verloren. Laut Gemeinde Großpösna soll diese Thematik auch im Innenraum des Gebäudes aufgenommen werden. Unter anderem sollen Stahlplatten auf dem Boden an die abgebaggerten Orte erinnern. Außerdem sollen noch erhaltene Elemente der Kirche Cröbern in die Gestaltung des Innenraumes einbezogen werden.
Die Ankerfundamente für das schwimmende Kunst- und Kulturprojekt Vineta sind schon im Jahr 2002 gelegt worden. Damals in den noch trockenen Seegrund. Der symbolische Spatenstich war im September 2007 vollzogen worden. 2008 folgten die Pontons. Mittlerweile muss der Wasserstand des Störmthaler Sees nur noch um fünf Meter steigen – dann ist der Bauplatz der Vineta geflutet.
Der eigentliche Hochbau des Hauses soll schon in diesem Dezember abgeschlossen sein. Das Einschwimmen und Verankern am eigentlichen Standort ist für das Frühjahr 2010 vorgesehen. Wenn alles klappt wie geplant, könnten im Sommer des kommenden Jahres schon die ersten Veranstaltungen im neuen Haus über die Bühne gehen. Dazu hieß es weiter aus Großpösna: „Schon jetzt gibt es zahlreiche Interessenten, die Veranstaltungen durchführen oder sich im künftigen Trauzimmer auf der Vineta das Ja-Wort geben wollen.“ Das Großpösnaer Gemendeamt führe dafür schon jetzt einen eigenen Terminkalender.
Träger des Vorhabens ist die LMBV. Umgesetzt wird es im Auftrag des Freistaates und der Gemeinde. Die Gesamtkosten liegen laut Verwaltung bei rund 870.000 Euro. Ein Großteil wird als so genannte Paragraph-4-Maßnahme abgerechnet. Zehn Prozent der Gelder kommen aus dem Gemeindesäckel von Großpösna.
(Archiv_02_10_br) Hopp oder top, klagen oder lassen – so hieß es bei der Großpösnaer Gemeinderatssitzung am 21. September zum Thema Zukunft des Weinanbaus am Störmthaler Sees. Die Mitglieder des Gremiums hatten über den weiteren Weg des umstrittenen Vorhabens zu entscheiden. Am Ende des Abends war das Pendel zugunsten der Reben am Ostufer ausgeschlagen. Einschließlich der Mandatsübergabe dieser Sache an den Rechtsanwalt Klaus Füßer.
“Der Gemeinderat befürwortet grundsätzlich Hobbyweinbau durch den Störmthaler Weinbau e. V. am Ostufer des Störmthaler Sees im derzeitigen Umfang von 5.521 m²“, heißt es im Beschluss der Gemeinde vom 21. September. Das Protokoll weiter: “Die Verwaltung wird beauftragt, das Klageverfahren beim Verwaltungsgericht 5K439/09 weiter zu betreiben und Rechtsanwalt Füßer (Leipzig) mit der Vertretung zu mandatieren.“ Die Fläche am Ostufer des Sees sei den Räten zufolge “der Nutzung für die Zwecke des Hobbyweinbaus zuzuführen“. Die Verwaltung werde laut Beschluss außerdem beauftragt, die im Gutachten von Rechtsanwalt Füßer enthaltenen Empfehlungen umzusetzen. Großpösna beim Wein also weiter am Ball. Jetzt aber mit Rechtsbeistand.
Der dabei eingeschaltete Verwaltungsrechtler Füßer scheint in seinem Metier kein unbeschriebenes Blatt zu sein. In seiner Referenzliste sind neben Gemeinden, Kliniken und Wohnungsbau-Unternehmen auch eine Werft und ein Energieversorger zu finden. Füßer am Tag nach dem Beschluss auf die Frage nach dem weiteren Zeitplan: „Die Gemeinde wird zeitnah mit unserer Unterstützung mit dem Weinbauverein und den einzelnen Hobbyweinbauern über eine Anpassung der bestehenden Pachtverträge sprechen. Aus Sicht der Gemeindeverwaltung wird es darauf ankommen, entsprechend dem Handlungsauftrag des Gemeinderates deutlich zu machen, dass die Gemeinde den Weinberg dauerhaft will und den Hobbyweinbau unterstützt.“
Wichtigste Maßgabe aus Füßers Sicht: Einhaltung bestehenden Rechts. Der Anwalt dazu: „Die Gemeinde will sich aber zugleich absichern, dass die nach dem EU- wie deutschen Weinrecht maßgeblichen Vorgaben (ausschließlich privater Verbrauch des Weins, keine Vermarktung, Einhaltung der sog. 100qm bzw. '1 Ar'-Regelung) auch verlässlich eingehalten werden und sie anderenfalls Sanktionsmöglichkeiten hat. Deshalb hat der Gemeinderat auf meine Empfehlung der Gemeindeverwaltung aufgegeben, streng auf die Einhaltung der Vorgaben zu achten.“
Ebenfalls Bestandteil des Gemeinderatsbeschlusses vom 21. September: weitere Gesprächsversuche mit dem Ministerium. Füßer zu diesem möglichen Weg der Einigung: „Im Idealfall gelingt es, das SMUL von der Legalität des Weinbergprojekts in der jetzt vorliegenden Form zu überzeugen. Angestrebt ist auch, dass das SMUL dies im Wege eines förmlichen Bescheides bestätigt, analog dem Vorgehen der zuständigen Behörden anderer Länder in anderen Beispielsfällen. Das würde für alle Beteiligten Planungs- und Investitionssicherheit schaffen. Immerhin wollen der Verein und die Hobbyweinbauern weiter in das Projekt investieren.“
Klare Worte in Großpösna, müdes Schulterzucken allerdings aus dem Landwirtschaftsministerium SMUL-Sprecher Frank Meyer sagte am 25. September der L-IZ: „Das als Rechtsgutachten bezeichnete Papier der Rechtsanwälte Füßer und Kollegen aus Leipzig ist hier im Hause bekannt. Die darin aufgezeigten Auswege, die einen Erhalt der illegal mit Keltertrauben bepflanzten Flächen juristisch begründen sollen, halten wir nicht für überzeugend.“
Darauf käme es laut Meyer “aber auch nicht an.“ Der SMUL-Sprecher weiter: „Wenn sich in einer juristisch zu bewertenden Angelegenheit zwei Parteien nicht einigen können, dann entscheidet in vielen Fällen ein Gericht. Diesen Weg hat die Gemeinde Großpösna bereits beschritten. Dass Rechtsanwälte in dieser Situation die Rechtsauffassung ihrer Mandanten zu untermauern versuchen, liegt in der Natur der Sache und erscheint schon aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar.“
Von dem am 21. September gefällten Beschluss hat Meyer nach eigenen Angaben am 25. noch nichts gewusst. Zur Frage nach einer Einigung sagte er: „Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, die Weinstöcke, die über eine Fläche von 100 m² hinausgehen, zu entfernen und die Flächen anderweitig zu bepflanzen, zum Beispiel mit Tafeltrauben, aus denen kein Wein gekeltert werden kann.“ Nach Friedenspfeife klingt das nicht.
Er bewegt viele Gemüter, der Weinbau am Störmthaler See. Wie es damit weitergeht, das könnte am kommenden Montag entschieden werden. Dann, wenn der Gemeinderat sich zum nächsten Mal mit der Sache zu befassen hat.
"Das ist falsch!" sagt Klaus Füßer zum Nein des SMUL in Sachen Störmthaler Wein. Fotos: Bernd Reiher
Zu dieser Sitzung eingeladen ist auch der Leipziger Rechtsanwalt Klaus Füßer. Seine Kanzlei hat am 2. September ein Gutachten zu diesem Thema veröffentlicht. Auftraggeber: Gemeinde Großpösna. Wir trafen ihn am 18. September zum Interview.
(Archiv_18_09_br) Eine schräge Geschichte ist sie schon, die Sache mit dem Weinanbau am Störmthaler See. Bürger pflanzten Keltertrauben an die Ufer ihres neuen Gewässers. Landwirtschaftsministerium sagt: Nein. Gemeinde sieht Fehler ein und will Strafgeld bezahlen.
Kommt entgegen, parzelliert Weinanbau und will jetzt Hobbywinzerschaft betreiben. Landwirtschaftsministerium aber winkt weiter ab und verlangt Rodung. Weil geltendes Recht einzuhalten sei und Parzellierung von Anfang an hätte bestehen müssen. Gemeinde hüllt sich in Schweigen. Das Ministerium hält sich streng ans Gesetz. Zu streng, wie manche Kritiker mittlerweile meinen.
Einer davon ist der Landtagsabgeordnete Michael Weichert von Bündnis90/Grüne. Er hatte sich im Juli eingeschaltet und dabei auch einen Termin beim Minister. Die Ergebnisse waren mager. Weichert spricht seitdem von drakonischem Vorgehen und einer gewissen Sturheit des obersten Behördenchefs.
Klare Worte. Harte Fronten. Frischer Wind kommt jetzt von der Anwaltskanzlei Füßer und Kollegen. Die am Leipziger Thomaskirchhof werkelnden Juristen haben jetzt ein „Rechtsgutachten zur Klärung der Möglichkeiten für Weinbau am Störmthaler See“ vorgelegt. Auftraggeber: Gemeinde Großpösna. Fazit: Gute Aussichten für eine Klage.
„Füßer & Kollegen“, so heißt es in deren Text vom 2. September, „haben jetzt im Auftrag der Gemeinde ein umfassendes Rechtsgutachten zur Frage vorgelegt, ob – und wenn ja: wie und mit welchen Maßgaben – das Projekt trotz der Bedenken des SMUL weiterverfolgt werden kann.“ Die Anwälte stellen darin fest, „dass die Reben ohne Verstoß gegen das Weinrecht belassen werden können, wenn keine Trauben geerntet werden.“
Aus Sicht des Weinrechts sei gegen eine rein landschaftsgestalterische Verwendung der bereits gesetzten Reben nichts einzuwenden. Auch die Verwendung der Flächen durch Hobby-Weinbauern sei laut Anwaltsbüro rechtlich zulässig, „soweit bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden.“ Einziger Knackpunkt wäre der Verkauf. Die Meinung der Füßer-Kollegen dazu: „Eine Vermarktung der von diesen Flächen stammenden Weinen darf allerdings nicht erfolgen.“ Eine zukünftige Vermarktung des Weines auch aus Großpösna sei aber nicht von vornherein ausgeschlossen. Laut Füßer und Kollegen bedürfte es dabei aber insofern „des Tätigwerdens der Sächsischen Staatsregierung, die bisher alle Bestrebungen bekämpft hat, in Großpösna Wein anzubauen.“
Zusammenfassend heißt es in dieser Sache aus der Kanzlei: „Füßer & Kollegen sehen für die Gemeinde Großpösna gute Erfolgsaussichten für die Klage gegen den Sanktionsbescheid des SMUL. Eine rechtmäßige Ausgestaltung des Projektes 'Weinbau am Störmthaler See' kann mit den vorliegenden Erkenntnissen sichergestellt werden, ohne dass die bestehenden Pflanzen gerodet werden müssen.“ Zusammenfassung Rechtsgutachten bei Füßer und Kollegen
(Archiv_15_09_br) Straßenbahnen und Busse sind es, die sich als erste in die Gehirnwindungen schleichen, wenn man an die Leipziger Verkehrsbetriebe denkt. Dass die LVB auch etwas mit der Leipziger Fahrgastschifffahrt zu tun haben, ist weit weniger bekannt. Dieses Kapitel ist jetzt Geschichte.
Die zehn Jahre dieses Engagements sind beendet. Bekannt gegeben wurde das während einer Bootsfahrt am 8. September. Einziges Thema war der Ausstieg dabei nicht. Es ging auch um das LeipzigBoot und seine Zukunft, die bislang von der LVB-Tochter LSB mitgestaltet wurde. Als Gesellschafter der Ranaboot GmbH.
Dieser Schreibtisch wird jetzt geräumt. „Nach 10 Jahren beenden die Leipziger Servicebetriebe (LSB) GmbH ihr Engagement im Schifffahrtsbereich in Leipzig“, hieß es dazu offiziell. „Die Markkleeberger Bootsbau Kehr GbR ist nunmehr alleiniger Gesellschafter der Ranaboot GmbH, also der Gesellschaft die das LeipzigBoot baut.“
Eine Dekade LVB, LSB und Mobilität auf dem Wasser – begonnen hatte alles mit der Weltausstellung Expo 2000. Damals haben die LSB mit der MS “Cospuden“ das Zeitalter der Fahrgastschifffahrt im Leipziger Neuseenland mit angekurbelt. 2004 kam mit der “Solaria1“ die erste Solarfähre dazu. Beim Kurswechsel 2006 wurde der Fahrgastbetrieb privatisiert. Er liegt seitdem in den Händen der Tourismus- und Freizeitservice GmbH. Bootsbau war es, worum die LSB sich fortan kümmerten.
Der Startschuss dafür fiel 2007. Mit dem Erwerb von Anteilen der Ranaboot GmbH. Gemeinsam mit der Bootsbau Kehr GbR. Damit konnte ein Stück des weiteren Weges des LeipzigBootes geebnet werden. Mittlerweile sind zwei Typen davon unterwegs. Einmal das Mehrpersonenboot, das mit seinem satten Olivgrün schon von vielen Kameras abgelichtet wurde. Zum anderen der kleinere eher privaten Dingen zugedachte Typ, der im Februar auf den Namen “Henriette“ getauft wurde. Der LSB-Abgesandte in dieser Ranaboot-Kooperation war deren Geschäftsführer Kai Rensmann. Sein Motto in dieser Angelegenheit: “Vom Reichsgericht bis nach Cospuden“. Auch sein Abschied aus der Ranaboot GmbH war es, der bei dieser Bootsfahrt bekannt gegeben wurde. Gemeinsam mit Reiner Kehr nutzte er die Tour aber auch, um noch einmal die Entstehungsgeschichte des LeipzigBootes zu beleuchten.
Das schwierigste Kapitel dabei: der Antrieb. „Erdgasantrieb finden sie kaum“, brachte Kehr dabei die Problematik auf den Punkt. Der Bootsbauer weiter: „Die Betankung gibt es an der Wasserkante nicht. Sauberste Lösung auf dem Wasser ist Strom. Aber dass wir durch einen erdgasbetriebenen 4-Takter Strom erzeugen und letztendlich auch mit Strom fahren, das war für uns absolutes Neuland.“ Fremdes Territorium. Im Auftragsbuch aber scheinbar so gewollt.
Möglichst wenig Emissionen sollten es sein. Über dem Wasserspiegel, aber auch darunter. “Schwallbildung und Wellenbildung“ seien laut Kehr die Dinge, die es auch aus städtischer Sicht möglichst zu vermeiden galt. Große Wellen seien nur für wenige nützlich. Kehr: „Da freuen sich sicherlich Firmen, die Ufer reparieren dürfen, belastet aber das Stadtsäckel. Man möchte aber diese Uferanlagen in jeder Form schützen. Die enorme Schwallbildung im Verlaufe der Jahre hat ja zu erheblichen Beschädigungen zum Beispiel im Karl-Heine-Kanal geführt. Wo ja rechtsseitig gleich der Fahrradweg einfach runtergebrochen ist.“
Kaum eine Welle, das kann bestätigen, wer das LeipzigBoot einmal fahren sah. Allein der Verdienst von Reiner Kehr ist das nicht. „Da hat die Stadt schon vor Jahren einen Herrn Masilge, Schiffsbauingenieur, Berlin-Weißensee, beauftragt, ein entsprechendes Boot mit dem entsprechenden schwellarmen Unterwasserschiff zu konstruieren“, so der Leipziger Bootsbauer dazu. Das sei nicht seine Arbeit gewesen. Er habe detailgetreu nach Konstrukteursangaben gefertigt. Dann gab es Tests im Versuchskanal. Ergebnis laut Kehr: „Die Wellenbildung die zu erwarten ist. Wir haben die Sache am Original überprüfen können. Siehe da: Die Ergebnisse sind deckungsgleich oder sogar geringer.“
Boote baut die Kehr GbR seit rund zehn Jahren. Wer ihren Chef hört, hat eine Ahnung, dass in seinem LeipzigBoot auch viel Herzblut stecken muss. Locker blieb er trotzdem auch angesichts der Kritik, die seit einigen Monaten aus den Reihen der Umweltschutzverbände kommt. Formuliert im Juli von Leo Kasek bei einem NaBu-Presserundgang durch den Auewald. Eine Fehlentwicklung sei das LeipzigBoot, meinte er damals. Auch, weil die Wellenwirkung zwar nicht zur Seite, dafür aber nach unten gerichtet sei. Gefährlich gerade für den empfindlichen Floßgrabengrund, den zu schonen eines der Ziele bei der Entwicklung des LeipzigBootes war.
Bootsbauer Kehr dazu: „Natürlich haben wir eine geringe Ausbreitung, so wie die Wasserlinien den Bootsrumpf umstreichen, nach außen. In der Breite natürlich mehr. Da wir aber einen flachen Boden haben, haben wir kaum eine Wasserlinienführung für Grunderosion, die hier befürchtet wird.“ Das sei eigentlich fast unmöglich und schließlich auch im Wellenkanal geprüft worden. Der Bootsbauer schließlich dazu: „Ich glaube, da macht die normale Fließgeschwindigkeit des Wassers mehr Erosion am Boden, wie das Boot.“ Ein kämpferischer Reiner Kehr aber auch, wenn es um die Windempfindlichkeit des LeipzigBootes geht. Auch das ein Kritikpunkt der Leipziger Naturschützer. Kehr: „Das Boot besitzt eine Herstellerplakette, wo auch drauf steht, bis zu wie viel Windstärken es gefahren werden kann. Es darf bis vier Windstärken gefahren werden. Wenn wir einmal fünf Windstärken haben, dann lade ich den ein, der das gesagt hat. Den kenne ich nicht und er kennt auch unsere Boote nicht. Dann zeige ich Ihnen, dass es trotzdem funktioniert. Weil: wir haben, auch wenn mehr Wind ist, immer noch genügend Sicherheiten und Reserven da.“
2010 könnte das erste große Jahr des LeipzigBootes werden. Dann ist die Schleuse am Connewitzer Wehr fertig. Erstmals könnten dann auch Motorbootfahrten von den Stadtgewässern nach Cospuden möglich sein. Spannend für alle Beteiligten vorher noch die Jungfernfahrt durch den Floßgraben. Dass der sich als Wasserstraße für Motorboote dieser Größe eignet, steht bislang schließlich nur auf dem Papier. Getestet wurde das aber nicht.
Angela Zabojnik vom Amt für Stadtgrün und Gewässer zur Frage nach dem Warum: „Leider konnten wir eine Probefahrt bisher nicht durchführen, da die notwendigen Randbedingungen nicht gegeben sind. Es gibt in diesem Bereich des Auwaldes keine Slipmöglichkeit, die wir nutzen könnten, ohne in den Auenbereich einzugreifen.“
Ob Bootsbauer, Naturschützer, Gewässerverbund oder Stadt: in Sachen LeipzigBoot wartet alles auf die Schleuse am Connewitzer Wehr. Die könnte laut LSB-Mann Kai Rensmann nach aktuellen Berechnungen im April oder Mai 2010 fertig sein. Ihn wird man dann nur noch als Fahrgast auf den LeipzigBooten sehen. Ein Ehrenplatz scheint ihm dabei aber jederzeit sicher.
Alu-Bauweise, Elektro-Motor, Gel-Batterien, 20 Sitzplätze, Baujahr 2009 - das sind die technischen Eckdaten des neuen Personenbeförderungsbootes für den seit diesem Sommer geöffneten "Kanuverleih am Wildpark" an der Connewitzer Pleiße.
Ein Spreewaldkahn für Leipzigs Stadtgewässer: Der "Kanuverleih am Wildpark" hat sein Motorboot bekommen. Fotos: Bernd Reiher
Das Wassertaxi wurde von einer Werft in Lübben im Spreewald gebaut. In Leipzig angekommen wurde es auf den Namen "Aegir" getauft. Am 4. September wollten wir genau wissen, was das für ein Boot ist, was die Leute vom Kanuverleih damit vorhaben und wie lange man damit in dieser ausgehenden Saison noch verreisen kann. Die Antworten kamen von Marcus Scholz vom Kanuverleih.