Freitag, 14. August 2009

Neue Ufer im Frühjahr 2010: Eine Zwischenbilanz von der Baustelle Elstermühlgraben

(Archiv_14_08_br) Sie waren Schandflecke, viele Jahre, die Flüsschen und Gräben, die sich durch Leipzig zogen. Verschandelt durch Abwässer aus den karbochemischen Fabriken im Südraum waren sie erst nicht mehr ansehnlich, stanken und wurden dann verrohrt. Was damit verschwand, war eine der schöneren Seiten Leipzigs als Klein-Venedig. Erst nach der Wende setzte ein Umdenken ein. Vordenkend dabei der Neue Ufer e.V. mit seinen, zu Anfang oft belächelten, Mitstreitern. Sie waren die ersten, die dafür kämpften, die teils vergessenen Wasseradern unter den Fußwegen und Parkplätzen wieder zu öffnen. Wie wichtig dieses Engagement für das Stadtleben war und ist, kann heute sehen, wer an Pleißemühl- und Elstermühlgraben lebt, flaniert oder investiert.

Ein Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht. Noch plätschern einige Kilometer der Stadtkanäle im Dunkeln vor sich hin. Bald jedoch ist zumindest ein nächstes Etappenziel erreicht, denn im Zentrum-West zwischen Käthe-Kollwitz- und Friedrich-Ebert-Straße rückt das Bauende eines weiteren Abschnittes in greifbare Nähe.

„Die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Elstermühlgrabenöffnung zwischen Schreberbrücke und Friedrich-Ebert-Straße verlaufen zügig“, hieß es dazu jüngst auf leipzig.de. „Zu den Arbeiten gehören auch der Bau einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über das so genannte Schreber-Wehr.“
Oberste städtische Lenker des Vorhabens sind Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Gewässer-Amtsleiterin Inge Kunath. Beide hatten sich in diesen Tagen zu einem Baustellenbesuch verabredet. "Die Freilegung des Elstermühlgrabens ist ein wesentlicher Bestandteil des integrierten Gewässerkonzeptes", betonte dabei Leipzigs Multifunktionsbürgervertreter Rosenthal. "Ihr kommt große Bedeutung für den präventiven Hochwasserschutz zu." Inge Kunath ergänzte: "Zudem gewinnt Leipzig durch diese zusätzliche Wasserfläche mit ansprechend gestaltetem Ambiente weiter an touristischer Attraktivität."

Das Vorhaben „Freilegung Elstermühlgraben“ erfolgt in drei Schritten. Der Beschluss dafür stammt aus dem Jahre 2004. Von 2005 bis 2007 wurde der rund 400 Meter lange Abschnitt am Ranstädter Steinweg freigelegt. Die Arbeiten am Schreberbad begannen im August 2008. Der Grabenaushub ist jetzt, laut Stadtverwaltung, zur Hälfte abgeschlossen. Momentan werde den Rathausseiten zufolge „eine Unterwasserbetonsohle eingebaut und die Uferwände mit Betonvorsatzschalen verkleidet.“ Außerdem ist der Betonbau für die Wehranlage im Gange. Daran schließt sich die Fertigstellung der Freianlagen am künftigen Nordufer an.

Nächster Schritt ist die Stabilisierung von Betonwänden, um dann die Gewässersohle folgen zu lassen. Das werde „durch den vorübergehenden Einbau von Stahlträgern zwischen den Wänden erreicht, die nach Fertigstellung der Sohle wieder entfernt werden.“ Beim folgenden Aushub wird das Landesamt für Archäologie mit eingeschaltet. Dort wurde der Bereich als „archäologisch bedeutend eingestuft“. Eventuelle Funde in der geschichtsträchtigen Gegend sollen damit gesichert und dokumentiert werden.
Parallel erfolgt der Rathausmeldung vom Donnerstag zufolge die teilweise Verblendung der Ufermauern mit Sichtbeton. Insgesamt sollen die Bauarbeiten noch etwa acht Monate dauern. Anfang 2010 soll der zweite Bauabschnitt weitestgehend fertiggestellt sein. Im nächsten Frühjahr bekommt dann das Wehr seine entsprechende Ausrüstung. Dann soll der Elstermühlgraben an dieser Stelle auch mit einer Anlegestelle für das LeipzigBoot ausgestattet werden.

Das danach anzugehende nächste Kapitel wäre der dritte Bauabschnitt der Freilegung. Er soll zwischen 2010 und 2013 bearbeitet werden. Dazu gehört laut Rathaus auch der Bau von vier Brücken. Leipzig-Touristen sollen aber bereits ab Oktober 2010 von der Anlegestelle im Elstermühlgraben über Elsterflutbett, Pleißeflutbett, Pleiße und Floßgraben bis zum Cospudener See fahren können. Dafür allerdings sind noch einige Hürden zu nehmen.

Mittwoch, 5. August 2009

Zuschlag für alten Bekannten: Auenhainer Strand jetzt mit Bewirtschaftung

(Archiv_05_08_br) Die Suche nach einem Betreiber für den Auenhainer Strand ist beendet. Das Rennen hat die Firma ALL ON SEA gemacht. Der schon vom Schladitzer See bekannte Seenbewirtschafter hat Anfang August sein neues Tätigkeitsfeld übernommen. Laut markkleeberger-see.de wurde ihm die gastronomische Strandversorgung übertragen. Die Leipziger Firma ist aber auch für Volleyballanlage und Grillplatz verantwortlich.

Auf Anfrage werden auch Wassersportangebote wie Segeln, Surfen oder Kiten ermöglicht. Weitere Informationen zum neuen Standort sollen unter (0341) 49 575 88 abrufbar sein.


Laut ALL ON SEA wurde "zunächst mit kleiner Gastronomie" gestartet. Für Events stehe "ein Extrabereich zur Verfügung, der vom täglichen Geschehen auch abgegrenzt werden kann." Die Firma scheint gut verhandelt zu haben. Von möglichen Einschränkungen für die Öffentlichkeit durch den Strand-Bewirtschafter war bislang zumindest nicht die Rede.

Dienstag, 28. Juli 2009

Neues Leben mit Campynos Würstchenmobile: Strandhaus am Cospudener See wieder geöffnet

(Archiv_28_07) Lange Zeit war es verwaist, das weiße Haus am See, zumindest in seinen Restaurant-Etagen. Jetzt aber scheint neues Treiben eingezogen ins Strandhaus am Ostufer des Cospudener Sees. Nachdem die eigentlich für die Öffentlichkeit gedachten Gebäudeteile fast über ein Jahr nicht genutzt wurden, ist seit Sonntag zumindest in der Strandbar wieder regelmäßiges Leben zu finden. Bleibt abzuwarten, wie lange.

“Die Campyno Cocktailbar und Marcos Würstchenmobile aus Weißenfels werden ab sofort den beliebten Treffpunkt direkt am See wieder bewirten“, heißt es dazu auf den elektronischen Seiten des Seenbewirtschafters LeipzigSeen. Das “engagierte Team“ stehe „mit coolen Getränken, Kaffeespezialitäten, diversen Snacks warm und kalt, Freiberger Pils vom Fass, frisches Obst, Cocktails, Eis und vielem mehr für die Gäste am See bereit.“ Was wir noch nicht wussten: “Von der Terrasse der Strandbar lässt sich ein toller Blick auf den See genießen. Gerne auch aus einer großen Zahl von Liegestühlen.“

Laut leipzigseen.de wird jeweils Montag bis Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr bedient. Für Feierlichkeiten stehe “auch das Mittelgeschoss mit dem großzügigen Balkon mit traumhaften Seeblick zur Verfügung.“ Dennoch bleiben Besitzer und Betreiber damit weit hinter den Möglichkeiten
des Hauses zurück. Zehn Jahre nach der ehrgeizigen Eröffnung als EXPO-Projekt liegt es aber nicht nur an der bösen weil unberechenbaren Zielgruppe, wenn am Ostufer des Cospudener Sees kaum mehr als Imbissbude funktioniert.

Sonntag, 26. Juli 2009

Schöner chartern mit Rudolf Diesel: Seedame wird von Selbstzünder getrieben

26_07_09: Das Rätselraten um technische Einzelheiten von MS SEALADY ist teilentschlüsselt. Mittlerweile sind erste Angaben zu Motorisierung und Leistung aufgetaucht. Wie das Landratsamt in Borna auf eine Anfrage von LIZ und Radio Neuseenland mitteilte, wird das Kajütboot von „einem Diesel-Motor mit einer Leistung von etwa 68 kW“ über den See getrieben. Der Mail-Anfrage vorausgegangen war eine Bitte um Information zu technischen Einzelheiten an den Boots-Eigner Frank Sporleder von der Touristik und Freizeit GmbH.

Dieser verweigerte jedoch jegliche Aussagen zu solchen Dingen. Die Presse sei ausreichend informiert worden, sagte er gegenüber Radio Neuseenland. Außerdem gingen solche Informationen niemand etwas an.

Für das Befahren des Cospudener Sees mit einem so angetriebenen Wasserfahrzeug ist eine Sondergenehmigung nötig. Sie wurde laut Landratsamt Ende 2008 erteilt, könne „aber im Moment noch nicht genutzt werden, da eine in der Genehmigung enthaltene Bedingung nicht erfüllt wurde.“ Die Genehmigungsinhaberin sei darauf „gerade noch einmal schriftlich hingewiesen worden.“ Die auf dem Cospudener See fahrende MS SEALADY Anfang Juli im Bild festhalten zu können, scheint deshalb ein Glücksfall gewesen zu sein.

Samstag, 11. Juli 2009

LeipzigBoot, Floßgraben, Gewässerverbund: Die drei Probleme des Leo Kasek

Leonhard Kasek ist ein Schwergewicht unter den Leipziger Umweltschützern. Nicht nur, weil er seinen Mund aufmacht. Auch, weil der freiberufliche Soziologe das meist an der richtigen Stelle tut. Kasek ist aber nicht nur Naturliebhaber, sondern auch ein Freund des Leipziger Flossgrabens. Und, weil es auf ihm verkehren soll, vom LeipzigBoot nur mäßig begeistert.


Tollkühne Kiste mit unerwarteten Fahreigenschaften: das LeipzigBoot. Foto: BR

Deutlichster Einwand: die nach unten gerichtete Wellenwirkung macht den empfindlichen Grabengrund kaputt. Kasek geht aber noch weiter. Er bezeichnet das ganze LeipzigBoot als eine Fehlentwicklung. Nicht nur, weil es auf dem Floßgraben nicht fahren kann. Auch, weil es in seiner windempfindlichen Bauart auf den zugigen Folgeseen offenbar nur schwer zu manövrieren ist.

Da beim LeipzigBoot nicht wenige Fördermittel aus EU-Kassen verbaut worden sind, sieht Kasek deshalb ein gehöriges Problem-Potenzial. „Irgendwann kommt die Stunde“ sagt Kasek, wo man „einen Offenbarungseid machen“ müsse. EIne Zeit, von der er denkt, „dass es hier auch Krach geben wird, wegen Fördermittelverschwendung.“ Mehr dazu im Interview.

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Donnerstag, 2. Juli 2009

Markkleeberg und der Flächennutzungsplan: Johannes Lichdi und eine kleine Anfrage im Landtag

Anfang des Jahres 2009 gab es in Markkleeberg eine kleine Schlacht um den Cospudener See. Ein Investor wollte ein Golfhotel bauen. Die Stadt hatte lange dazu geschwiegen. Als das Fass dann aber überlief, hagelte es Protest.

Ursächlich für dieses Vorhaben ist ein Eintrag im Flächennutzungsplan. Er sieht am Südost-Ufer scheinbar die Möglichkeit einer solchen Nutzung vor. Das Papier soll jetzt geändert werden. Fraglich nur, welche Version die gültige ist und was letztendlich zur Debatte steht. Der Bündnis-Grüne Landtagsabgeordnete Johannes Lichdi hat deswegen eine Kleine Anfrage in Richtung Landtag geschickt. Er erklärte Radio Neuseenland am 2. Juli, was dabei herauskam.


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Montag, 22. Juni 2009

"Die Brücken sind das teuerste": Simson-Lampestraße nächste Station der Pleißeöffnung

Simson- oder Lampestraße – wer entlang der Piste zwischen Verwaltungsgericht und Paul-Gruner-Straße unterwegs ist, kommt leicht durcheinander. Simsonstraße heißt sie in südlicher Richtung. Lampestraße wurde die gegenüberliegende Straßenseite getauft. Der Doppelname ist nicht die einzige Besonderheit, die diese Strecke zu bieten hat. Er deutet auf eine weitere Eigenart hin: beide Straßenseiten sind eigentlich durch einen Flusslauf getrennt, denn unter dem, was heute als Parkfläche genutzt wird, fließt der Pleißemühlgraben.


Versteckt und zugeparkt: Die Simson-/Lampestraße hat den Pleißemühlgraben in ihrer Mitte. Foto: Bernd Reiher

Noch ist hier alles verrohrt. Noch ist von diesem Graben nicht mehr viel zu sehen. Immer deutlicher werden aber die Vorzeichen, dass sich das bald ändern und auch dieser Flussabschnitt wieder geöffnet werden könnte. Peter Wangemann vom Neue Ufer e.V. gab uns am Rande der Ökofete im Clara-Park Auskunft über Hintergründe, Perspektiven und Schwierigkeiten dieses Vorhabens.


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